Gedanken · Amor Mundi

Die Wand ist real. Aber sie ist nicht die ganze Welt.

Über Schmerz, Blickrichtung und das, was hinter uns steht.

Stell dir einen Menschen in einem Raum vor. Er steht dicht vor einer Wand. Sie ist kalt, rau, nah. Sie füllt sein ganzes Blickfeld aus. Er sieht nichts anderes.

Die Wand ist wirklich da. Niemand sollte ihm erzählen, dass sie eingebildet ist. Verlust, Krankheit, Enttäuschung, Unrecht – das sind keine Missverständnisse, die man wegdenken kann.

Aber hinter ihm, in demselben Raum, stehen vielleicht Menschen. Einer lächelt. Einer winkt. Einer würde ihn gern umarmen. Solange sein Blick auf der Wand ruht, sieht er sie nicht. Nicht, weil sie fehlen. Sondern weil er in die andere Richtung schaut.

Man muss die Wand nicht lieben

Amor Mundi heißt Liebe zur Welt – nicht Liebe zu allem, was in ihr geschieht. Niemand muss seinen Schmerz schönreden. Es geht um etwas anderes: dass ein Teil der Welt, der dir wehgetan hat, nicht die Macht bekommt, dir die ganze Welt zu nehmen.

Bewahre deine Liebe zur Welt, auch wenn ein Teil dieser Welt dir wehgetan hat.

Sich umdrehen ist kein Verrat

Manche fühlen sich schuldig, wenn sie wieder lachen, nachdem etwas Schweres passiert ist. Als würde das Lachen den Schmerz kleiner machen, als er war. Aber sich umzudrehen heißt nicht, die Wand zu leugnen. Sie bleibt, wo sie ist. Du hast nur aufgehört, ausschließlich sie anzusehen.

Wer steht gerade hinter dir, den du lange nicht angesehen hast?