Gedanken · Nosce Animum
Ist Selbstakzeptanz das Gegenteil von Selbstverbesserung?
Warum du dich nicht hassen musst, um dich verändern zu wollen.
Es gibt zwei Lager, die sich oft gegenseitig misstrauen. Die einen sagen: Akzeptiere dich, wie du bist. Die anderen sagen: Hör auf mit Ausreden, arbeite an dir. Beide haben etwas Richtiges gesehen. Und beide machen einen Fehler, wenn sie das andere für den Feind halten.
Drei Sätze, die ähnlich klingen
„Ich habe unfair gehandelt.“ Das ist eine Beobachtung mit Verantwortung.
„Ich bin deshalb ein schlechter Mensch.“ Das ist eine globale Verurteilung. Sie fühlt sich streng an, fast ehrlich. Aber sie lähmt. Wer sich als Ganzes verurteilt, hat kaum noch Kraft, das Einzelne zu ändern.
„Ich bin eben so.“ Das ist eine mögliche Ausrede. Sie fühlt sich nach Frieden an, ist aber oft nur Stillstand.
Die Haltung, um die es mir geht, liegt dazwischen: Ich erkenne mein Verhalten, übernehme Verantwortung und kann daran arbeiten. Ohne mich dafür zu verachten.
Warum Selbsthass schlecht motiviert
Selbsthass verspricht Antrieb. Wer sich nur genug verachtet, so die Idee, wird sich schon ändern. In Wirklichkeit führt er oft zu Verstecken, Rechtfertigen, Aufgeben. Man schaut nicht gern genau hin, wenn jedes Hinsehen mit einem Urteil endet.
Nosce animum – erkenne dein Inneres – braucht deshalb einen sicheren Raum. Ehrlichkeit wird leichter, wenn sie nicht sofort bestraft wird. Selbstannahme ist keine Rechtfertigung für destruktives Verhalten. Sie ist die Bedingung dafür, es überhaupt sehen zu können.
Heute und morgen
Du darfst der Mensch sein, der du heute bist, und gleichzeitig daran arbeiten, der Mensch zu werden, der du morgen sein möchtest. Das ist kein Widerspruch. Es ist der einzige Ausgangspunkt, den es gibt.
Wie würdest du mit einem Freund sprechen, der denselben Fehler gemacht hat wie du – und warum sprichst du mit dir anders?